Liebe

Der Weg des Erwachens

Begegne Dir und anderen mit Liebe - dem schönsten Geschenk! © Parée/flickr

Wir wollen alle Liebe empfangen. Aber vielleicht begegnet sie uns in einer Form, die wir nicht wollen – vielleicht möchte jemand mit dir eine romantische Beziehung beginnen, aber du willst es nicht. Oder sie begegnet uns gar nicht. Dann spüren wir Kummer und Hilflosigkeit. Wir können andere nicht dazu bringen, uns zu lieben.

Tu ganz sicher alles, was du kannst, um die Liebe zu bekommen, die du brauchst. Aber in dieser Praxis geht es darum, Liebe zum Ausdruck zu bringen – im Gegensatz zum Empfangen von Liebe.

Wenn du dich auf die Liebe konzentrierst, die du gibst, anstatt auf die Liebe, die du bekommst, dann bist du die Ursache und nicht nur von den Effekten abhängig, du bist ein aktiver Mitspieler, statt nur Zuschauer – und das unterstützt dein Gefühl der Effizienz und des Selbstvertrauens und auch deine Stimmung. Und das ist ein erleuchtetes Selbstinteresse: Der beste Weg, um Liebe zu bekommen, besteht darin, selbst zu lieben. Selbst wenn deine Liebe nicht erwidert wird, sie wird wahrscheinlich die Beziehung verbessern und helfen, die unruhigen Elemente darin zu besänftigen.

Liebe in unserer DNA

Manchmal machen wir uns Sorgen, dass wir verwundbar sind oder ausgenutzt werden, wenn wir liebevoll sind. Aber tatsächlich können wir in unserer eigenen Erfahrung sehen, dass Liebe nicht diese Wirkung hat: Wenn du Liebe gibst, wirst du geschützt und genährt. Spürst du nicht eine gehobene Stimmung und fühlst dich stärker, wenn du liebevoll bist?

Der Grund dafür ist, dass Liebe tief in der menschlichen Natur verwurzelt ist, sie ist tatsächlich in die DNA eingewoben. Als sich unsere Vorfahren entwickelten, unterstützen die Samen der Liebe in Primaten und Hominiden – wie die Verbundenheit zwischen Mutter und Kind, die Paarbeziehung, die Fertigkeiten der Kommunikation und Teamarbeit – das Überleben, so dass die Gene, die diese Eigenschaften förderten, weitergegeben wurden.

Ein positiver Kreislauf entwickelte sich: Als sich „das Dorf, das nötig ist, um ein Kind zu erziehen“, entwickelte und stärker wurde, konnte die Zeit der verwundbaren Kindheit länger werden. In diesem Zusammenhang vergrößerte sich auch das Gehirn, um diese längere Kindheit zu nutzen – und dadurch entwickelte sich eine höhere Liebesfähigkeit. Das Gehirn hat sich in seiner Größe ungefähr verdreifacht, seit die Hominiden vor 2,5 Millionen Jahren begannen, Steinwerkzeuge herzustellen. Und ein großer Bereich dieser neuen neuralen Bereiche ist mit der Liebe und damit verbundenen Fähigkeiten verbunden.

Liebe geben, um gesund und ganz zu sein

Wenn wir unsere Liebe verschließen, dann verschließen wir unser ganzes Sein. Liebe ist wie Wasser: Sie muss fließen. Andererseits staut sie sich, stagniert und stirbt. Schau dir die Gesichter von sehr liebevollen Menschen an: Sind sie nicht schön? Liebevoll sein heilt alte innere Wunden und öffnet ungenutzte Quellen von Energie und Talent. Liebe ist auch ein tiefer Weg des Erwachens und spielt in den großen religiösen Traditionen der Welt eine wichtige Rolle.

Die Welt braucht unsere Liebe. Die Menschen, mit denen wir zusammenleben und mit denen wir zusammenarbeiten, brauchen sie – und auch deine Familie, Menschen nah und fern und dieser ganze geschundene Planet. Unterschätze niemals die Wellen, die sich nur von einem einzigen liebevollen Wort, Gedanken oder einer liebevollen Tat ausbreiten können.

Liebe ist so natürlich wie der Atem, aber so wie der Atem kann sie auch behindert werden. Manchmal müssen wir sie zum Beispiel mit folgenden Methoden herauslassen, sie stärken und ihr helfen, freier zu fließen:

  • Denk an die Erfahrung, mit Menschen zusammen zu sein, denen du wichtig bist, und spüre, dass sie dir gegenüber liebevoll sind. Lass dich von diesem Gefühl erfüllen, lass es dein Herz wärmen und dein Gesicht entspannen. Es ist in Ordnung, wenn entgegengesetzte Gedanken erscheinen (z.B. Ablehnung): Beobachte sie für einen Moment und kehre dann zum Gefühl zurück, dass jemand dir Fürsorge schenkt – das wird die neuralen Kreisläufe erwärmen, die eine liebevolle Haltung gegenüber sich selbst unterstützen.
  • Spüre den Bereich in der Umgebung deines Herzens und denke an Dinge und Situationen, die bei dir herzliche Gefühle auslösen, wie Dankbarkeit, Mitgefühl und Freundlichkeit. Um Harmonie in die kleinen Veränderungen in den kurzen Intervallen zwischen zwei Herzschlägen zu bringen, atme so, dass deine Ein- und Ausatmung ungefähr gleich lang ist, denn die Einatmung beschleunigt den Herzschlag und die Ausatmung verlangsamt ihn. Es besteht nicht nur eine metaphorische Verbindung zwischen dem Herzen und der Liebe; das Herz-Kreislaufsystem und das Nervensystem sind im Körper so miteinander verschränkt, wie die Finger von Liebenden. Deshalb werden solche Übungen in dir ein tiefes Wohlbefinden fördern und du wirst mehr Wärme gegenüber anderen Menschen zum Ausdruck bringen.
  • Stärke diese liebevollen Gefühle mit sanften Gedanken gegenüber anderen, wie zum Beispiel: „Ich wünsche dir alles Gute. Mögest du ohne Schmerzen leben. Mögest du in Frieden sein. Mögest du in Leichtigkeit leben.“ Wenn du auf jemanden wütend bist, kannst du diese Reaktionen in deinem Gewahrsein halten und gleichzeitig liebevolle Gedanken senden, wie: „Ich bin wütend auf dich und werde nicht zulassen, dass du mich noch einmal verletzt – und trotzdem hoffe ich, dass du wahres Glück erfährst, und ich wünsche dir alles Gute.“

Es gibt die Vorstellung, dass eine absichtsvolle Liebe eine falsche oder zweitklassige Liebe sei. Aber gewollte Liebe ist in Wirklichkeit doppelte Liebe: Die Liebe, die du findest, ist authentisch, und es ist zutiefst fürsorglich, wenn wir mit Anstrengung Kontakt zu ihr aufnehmen und sie zum Ausdruck bringen.

Lieben bedeutet, mutig zu sein

Die Wurzel des englischen Wortes für Mut, courage, kommt von dem englischen Wort für Herz, heart. Bei meinen Bergtouren bin ich in viele schwierige Situationen gekommen, aber ich hatte vielmehr Angst, bevor ich meiner ersten Freundin gestand, dass ich sie liebe. Es braucht Mut, Liebe zu geben, die uns vielleicht nicht erwidert wird. Oder in dem Wissen zu lieben, dass du eines Tages unvermeidlich von allem, was du liebst, getrennt werden wirst – dich ganz der Liebe hinzugeben und nichts zurückzuhalten.

Manchmal frage ich mich selbst: Bin ich mutig genug, um zu lieben? Jeder Tag gibt mir und gibt dir viele Gelegenheiten für die Liebe.

Dieser Artikel stammt von Rick Hanson, Autor des Buches Das Gehirn eines Buddha. Er ist erstmals in Rick Hansons Buch zum Newsletter Just One Thing – So entwickeln Sie das Gehirn eines Buddha erschienen. Übersetzung: Arbor Verlag/Mike Kauschke.

Rick Hansons Hörbuch-CD Das gelassene Gehirn eines Buddha ist ein Stress-Schutz-Programm für unser Gehirn. Es kann uns helfen, uns von Gereiztheit, Sorgen und Überforderung zu befreien.

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Alle Rechte vorbehalten. Arbor Verlag/Rick Hanson