Spüre, dass sich jemand um dich kümmert

Umarme den Affen

Dein Gehirn hat sich in drei Stadien entwickelt. Wir stellen das im Folgenden vereinfacht dar:

  • Reptilienhirn – Hirnstamm, will Leid vermeiden
  • Säugetierhirn – limbisches System, wird von Angenehmem angezogen
  • Primatenhirn – Kortex, fokussiert auf das Anhaften an „uns“


Im ersten Just 1 Thing in dieser Serie – Streichle die Eidechse – ging es darum, wie wir die ältesten Hirnstrukturen beruhigen können, die Strukturen, die mit der ersten und ältesten Emotion umgehen: Angst. Der nächste – Füttere die Maus – beschäftigte sich damit, wie wir den frühen neuralen Strukturen des Säugetierhirns helfen können, sich angenehm und zufrieden zu fühlen. Bei diesem geht es darum, wie wir das Gefühl, angenommen und geliebt zu werden, im zerebralen Kortex des Primaten unterstützen können.

In früheren Zeiten war die Mitgliedschaft in einer Gruppe für das Überleben unerlässlich: Trennung oder Exil waren in der Serengeti das Todesurteil. Heute ist es vielleicht keine Frage von Leben und Tod mehr, ob wir uns verstanden, wertgeschätzt und geliebt fühlen – sei es als Kind oder als Erwachsener und in Bezug zu einem anderen Menschen oder einer anderen Gruppe. (Obwohl Studien zeigen, dass die Überlebensrate bei Krebskranken und anderen schweren Krankheiten durch soziale Unterstützung steigt.) Aber ganz sicher hat es eine Wirkung auf unser Glücksgefühl und unsere Effektivität im Leben.

Leider haben viele von uns bei der uns geschenkten Empathie, Anerkennung und Unterstützung große Defizite erfahren – oder wurden durch Ablehnung, Missbrauch, Abweisung oder Schuldzuweisungen verletzt.

Um unser inneres menschliches Bedürfnis nach Verbundenheit zu erfüllen und alten Schmerz zu heilen, müssen wir deshalb „den Affen umarmen“ (ich gebe zu, das ist ein etwas merkwürdiger Ausdruck). Wir müssen die Affen in uns umarmen, um in irgendeiner Weise die grundlegende Nahrung des Menschen aufzunehmen: Liebe.

Versuch es dir zur Gewohnheit zu machen, zu spüren, dass sich jemand um dich kümmert.

1.
Stell dir vor, du wärest in der Gegenwart von jemandem, von dem du weißt, dass er dir gut gesonnen ist; es kann ein Mensch, ein Haustier oder ein geistiges Wesen sein, aus deinem jetzigen Leben oder aus der Vergangenheit. Die Beziehung muss nicht perfekt sein, solange du diesem anderen Wesen etwas bedeutest, d.h., dass er oder sie dich mag, schätzt oder liebt. Auf dieser Grundlage kannst du dir sicher sein, dass sich dieses Wesen um dich kümmert, du kannst also in deinem Körper, Herzen und Geist wahrnehmen, dass sich jemand um dich kümmert.

Schätze diese Erfahrung und nimm sie ganz in dich auf. Lass sie in dich hineinsinken, bis in die frühen, zärtlichen Ebenen deiner Psyche… und ganz tief in diese uralten Anteile in dir und jedem anderen, die unbedingt die Verbundenheit mit anderen spüren müssen und die ein anerkannter und wertgeschätzter Teil der Gruppe sein wollen.

2.
Dann spüre als Nächstes deine eigene fürsorgliche Natur. Denk an jemanden, für den du natürlicherweise Fürsorge empfindest, und untersuche, wie sich diese Fürsorge in deinem Körper, in deinen Emotionen, Gedanken und Handlungsimpulsen anfühlt. Untersuche in ähnlicher Weise verwandte Erfahrungen, wie Warmherzigkeit, Freundlichkeit, Zuneigung, Unterstützung, Bestärkung, Schützen, Anerkennen oder Lieben. Auch hier solltest du wirklich wissen und in dich aufnehmen, was es bedeutet, den Affen in anderen Menschen zu umarmen.

3.
Stell dir nur ein innerliches „Fürsorge-Komitee“ vor, dessen Aufgabe es ist, sich um andere – und um dich selbst – zu kümmern. In meinem eigenen Komitee sind die dicke Fee aus Dornröschen, ein inneres Bild meiner Eltern und anderer, die mich geliebt haben, spirituelle Lehrer, Gandalf und einige harte-aber-herzliche Mentoren auf meinem Lebensweg.

Unterstützer-Beschützer-Bestärkende vs. Kritiker-Antreiber-Angreifer

Wer (oder was?!) ist in deinem Komitee? Und wie stark ist dieses Komitee, wenn es darum geht, für dich zu sorgen, im Verhältnis zu den anderen Kräften in deinem Geist? Weil das Gehirn ein riesiges Netzwerk mit vielen Verbindungspunkten ist, hat die Psyche viele Teile. Diese Teile verbinden sich oft zu drei bekannten Clustern: das innere Kind, die kritischen Eltern, die nährenden Eltern. (Eine andere Möglichkeit, diese Cluster zu beschreiben, ist: verletzliches Selbst, Angreifer, Beschützer.)

Bei den meisten Menschen ist der innere Unterstützer-Beschützer-Bestärkende viel schwächer als der innere Kritiker-Antreiber-Angreifer. Wir müssen also das Fürsorge-Komitee aufbauen, indem wir immer wieder Erfahrungen der Fürsorge in uns aufnehmen – und dann müssen wir dieses Komitee befragen und darauf hören!

Spüre also die Teile in dir, die sich gesehen, eingeschlossen, wertgeschätzt, gewollt, respektiert, gemocht, unterstützt und geliebt fühlen wollen. Jeder hat diese Anteile. Sie fühlen sich oft jung, frisch und verletzlich an. Wenn du dich ihren Stimmen öffnest, achte auf jede Ablehnung ihnen gegenüber, jedes Herunterspielen ihrer Bedürfnisse oder sogar Verachtung und Schuldzuweisungen. Bitte dein Fürsorge-Komitee für diese Anteile einzustehen und diesen Anteilen zu sagen, dass ihre Bedürfnisse normal und gesund sind.

Was das Fürsorge-Komitee für dich übernimmt

Stell dir vor, dass dein Fürsorge-Komitee ganz frühe Teile in dir selbst beruhigt … ältere Anteile schätzt und sich daran erfreut … Perspektive und Weisheit in Bezug auf schwierige Erfahrungen bietet … dich an deine wirklich guten Qualitäten erinnert … dich zum Ausdruck des Besten in dir auffordert … dich umarmt, die weichen, sehnsüchtigen Anteile in dir umarmt und ihnen gibt, was sie brauchen … und bis hinunter fühlt zum weichen, pelzigen Affen in dir und in jedem Menschen, und ihn hält und liebt und umarmt.

Und unterdessen können all deine frühen, sehnsüchtigen, verletzlichen oder verletzten Anteile – und sogar dein innerer Affe – spüren, dass sie das bekommen, was sie immer gebraucht haben – und was jeder braucht: Anerkennung, Annahme, Respekt und Liebe.

Dieser Artikel stammt von Rick Hanson, Autor des Buches Das Gehirn eines Buddha. Er wurde erstmals auf seiner Website rickhanson.net unter dem Titel Hug the Monkey veröffentlicht. Übersetzung: Arbor Verlag/Mike Kauschke.

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Nähere Details können Sie der Creative Commons Lizenz entnehmen, der dieser Beitrag unterliegt. Urheber: Arbor Verlag/Rick Hanson